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Sarkopenie: Muskelschwund im Alter erkennen und gezielt gegensteuern

Treppen werden zur Mühe, das Aufstehen aus dem Sessel klappt nur noch mit Schwung, die Einkaufstasche fühlt sich schwerer an als früher. Viele Menschen halten das für normales Älterwerden. Oft steckt jedoch eine Erkrankung dahinter: die Sarkopenie, der krankhafte Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft.

Dieser Überblick richtet sich an Angehörige, Pflegekräfte und Betroffene. Er zeigt, wie Sarkopenie entsteht, wie der Arzt sie feststellt und was Bewegung und Ernährung im Alltag bewirken. Denn Sarkopenie ist kein unvermeidbarer Teil des Alterns.

Was ist Sarkopenie?

Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß Mangel an Fleisch. Gemeint ist der übermäßige Abbau der Skelettmuskelmasse, verbunden mit einer Abnahme von Kraft und Muskelfunktion. In der Medizin spricht man deshalb auch von Muskelschwund im Alter. Die Erkrankung betrifft die Skelettmuskulatur insgesamt. Im Alltag machen sich jedoch Kraftverluste an den Beinen häufig besonders deutlich bemerkbar. Und damit genau den Bereich, der für Gehen und Stehen im Alter wichtig ist.

In den USA erhielt Sarkopenie 2016 mit M62.84 einen eigenen ICD-10-CM-Code. Auch in Deutschland ist Sarkopenie seit 2018 in der ICD-10-GM kodierbar und wird aktuell unter M62.5- geführt. Sie gilt damit als eigenständige Erkrankung und nicht mehr als bloße Begleiterscheinung des Alterungsprozesses.

Sarkopenie oder normaler Muskelabbau?

Ein gewisser Rückgang der Muskulatur gehört zum Leben. Dieser Prozess verläuft im Alter bei jedem Menschen unterschiedlich schnell. Ab dem mittleren Lebensalter nimmt die Muskelmasse schrittweise ab. Im höheren Alter kann sie um etwa 0,5 bis 1 % pro Jahr zurückgehen, während die Muskelkraft häufig schneller nachlässt. Von Sarkopenie spricht man erst, wenn dieser Verlust deutlich über das altersübliche Maß hinausgeht und Einschränkungen im Alltag verursacht.

Wie häufig ist Sarkopenie?

Wie häufig Sarkopenie vorkommt, hängt stark von Alter, Lebenssituation und verwendeten Diagnosekriterien ab. Metaanalysen berichten bei Menschen ab 60 Jahren eine Krankheitshäufigkeit von etwa 10 bis 27 %. Im sehr hohen Alter und insbesondere bei Bewohnern von Pflegeeinrichtungen treten deutlich höhere Raten auf. Betroffen sind sowohl Frauen als auch Männer. Über mehrere Jahrzehnte kann ein erheblicher Anteil der Muskelmasse verloren gehen. Das Ausmaß unterscheidet sich jedoch stark zwischen einzelnen Menschen.

Ursachen: Warum Muskeln im Alter schwinden

Sarkopenie hat meist mehrere Ursachen. Medizinisch wird zwischen primärer und sekundärer Sarkopenie unterschieden.

Primäre Sarkopenie

Hier steht der Alterungsprozess selbst im Vordergrund. Hormonelle Veränderungen, eine schlechtere Versorgung der Muskelfasern durch die Nerven und ein langsamerer Muskelaufbau führen dazu, dass Muskelgewebe schneller abgebaut als ersetzt wird.

Sekundäre Sarkopenie

Sie entsteht durch äußere Faktoren oder andere Erkrankungen. Zu den wichtigsten zählen vor allem:

  • Bewegungsmangel, etwa durch Bettlägerigkeit, nach Operationen oder bei langem Sitzen
  • Mangelernährung und eine zu geringe Eiweißzufuhr
  • chronische Erkrankungen wie Diabetes, Herz- oder Nierenleiden
  • Übergewicht in Kombination mit wenig Muskulatur

Jede Erkrankung mit längerer Bettruhe beschleunigt den Abbau zusätzlich.

Bewegungsmangel gilt dabei als besonders starker Treiber. Schon wenige Wochen im Bett können einen deutlichen Muskelverlust auslösen. Auch nachlassender Appetit im Alter verstärkt den Abbau. Hilfreiche Informationen dazu bietet unser Beitrag Hilfe bei Appetitlosigkeit.

Symptome: Woran Sie Sarkopenie erkennen

Die Anzeichen von Muskelschwund kommen schleichend, die Abnahme der Muskelkraft fällt oft erst spät auf.

Typisch sind:

  • Probleme beim Aufstehen aus dem Sessel oder vom Stuhl
  • Mühe beim Treppensteigen und beim Tragen
  • langsamer, unsicherer Gang
  • schnelle Erschöpfung bei alltäglichen Aufgaben
  • spürbare Muskelschwäche, etwa beim Öffnen von Flaschen

Wer mehrere dieser Punkte bei sich oder einem Angehörigen bemerkt, sollte das beim nächsten Arztbesuch ansprechen.

Folgen für Mobilität und Selbstständigkeit

Die Folgen der Sarkopenie reichen weit über schwächere Muskeln hinaus. Die Muskelschwäche erhöht das Sturzrisiko deutlich und damit auch das Risiko für Knochenbrüche. Viele Betroffene verlieren an Mobilität und Selbstständigkeit.

Ein Funktionsverlust der Muskulatur beeinträchtigt die Lebensqualität erheblich. Langzeitstudien zeigen zudem ein erhöhtes Sterberisiko bei schwacher Muskulatur. Auch nach einer Erkrankung oder einem Sturz erholen sich Patienten mit Sarkopenie langsamer. Wie Sie die Wohnung sicherer machen, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Sturzprävention. Wer bereits unsicher geht, findet passende Unterstützung in der Kategorie Rollstuhl & Gehhilfen.

Diagnose: So stellt der Arzt Sarkopenie fest

Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. Bei Bedarf überweist er an einen Facharzt für Geriatrie oder andere Spezialisten. Die Diagnose erfolgt in Deutschland meist nach den Kriterien der europäischen Arbeitsgruppe EWGSOP2.

Die drei Kriterien

Der Arzt prüft drei Bereiche: die Muskelkraft, die Muskelmasse und die körperliche Leistungsfähigkeit. Ist die Kraft vermindert, besteht Verdacht. Ist zusätzlich die Muskelmasse reduziert, gilt die Sarkopenie als bestätigt. Ist auch die körperliche Leistungsfähigkeit eingeschränkt, spricht man von schwerer Sarkopenie.

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Tests und Untersuchung

Zur Untersuchung gehören einfache Funktionstests:

  • SARC-F-Fragebogen: Der Patient beantwortet fünf kurze Fragen, ein Wert ab 4 Punkten signalisiert Sarkopenie-Verdacht.
  • Handkraft-Test: Ein Messgerät zeigt die Griffkraft (<27 kg Männer, <16 kg Frauen)
  • Aufsteh-Test: Der Patient steht fünfmal ohne Hilfe der Arme vom Stuhl auf. (>15 Sekunden spricht für niedrige Kraft)
  • Gehgeschwindigkeit: Sie zeigt die körperliche Leistungsfähigkeit. (≤0,8 m/s Hinweis auf eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit)

Die Skelettmuskelmasse misst der Mediziner zum Beispiel mit der Bio-Impedanz-Analyse (BIA), bei der ein schwacher Strom durch den Körper fließt.

Behandlung: Krafttraining und Ernährung in Kombination

Ein Medikament gegen diese Erkrankung gibt es bisher nicht. Die Forschung zeigt aber klar: Progressives Krafttraining gilt als wichtigste Maßnahme gegen Sarkopenie. Eine ausreichende Energie- und Eiweißzufuhr unterstützt den Muskelaufbau und sollte insbesondere bei Mangelernährung oder erhöhtem Bedarf Teil der Behandlung sein. Am besten wirken beide Bausteine in Kombination, denn Eiweiß allein ersetzt kein Training. Hausarzt, Physiotherapeuten und weitere Spezialisten arbeiten dabei idealerweise zusammen.

Bewegung: Krafttraining gegen den Muskelabbau

Krafttraining ist die wichtigste Therapie bei Sarkopenie. Vor allem die Muskelkraft der Beine lässt sich durch Bewegung gut verbessern. Muskeln wachsen nur, wenn sie gefordert werden, und das gilt auch mit 80 Jahren. Entscheidend ist, dass das Training regelmäßig stattfindet und die Belastung langsam gesteigert wird.

So gelingt der Einstieg

Geeignet sind Übungen mit dem eigenen Körpergewicht, Theraband oder leichten Hanteln, zwei bis drei Mal pro Woche. Ein gezieltes Bewegungstraining unter Anleitung, etwa in der Physiotherapie, gibt Sicherheit. Ergänzend hält jede Aktivität im Alltag die Muskeln in Gang. Anregungen finden Sie unter Gymnastik im Alter und für eingeschränkte Patienten unter Gymnastik im Rollstuhl.

Ernährung: Eiweiß als Baustoff für die Muskeln

Ältere Menschen brauchen mehr Eiweiß als jüngere, weil ihr Körper es weniger effizient verwertet. Als Richtwert gelten 1,0 bis 1,2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht und Tag. Die genaue Menge sollte immer mit dem Arzt abgestimmt werden, besonders bei Nierenerkrankungen.

Eiweiß über den Tag verteilen

Für den Muskelaufbau können als Orientierung etwa 25 bis 30 g hochwertiges Eiweiß pro Hauptmahlzeit sinnvoll sein. Gute Quellen sind Milchprodukte, Eier, Fisch, Fleisch und Hülsenfrüchte. Eine solche Ernährung unterstützt die Therapie der Sarkopenie. Bei Verdacht auf einen Vitamin-D-Mangel oder entsprechenden Risikofaktoren kann eine ärztliche Kontrolle sinnvoll sein. Ein nachgewiesener Mangel sollte behandelt werden.

Wenn die Mahlzeiten nicht reichen

Viele ältere Menschen essen zu wenig, um ihren Bedarf zu decken. Oft spielen auch Probleme beim Kauen oder Schlucken eine Rolle. Dann kann eiweißreiche Trinknahrung die Zufuhr ergänzen:

Einen Überblick über die Sorten geben unsere Ratgeber zu Fresubin und Fortimel.

Eiweißpulver für Speisen und Getränke

Wer lieber normal isst, kann Mahlzeiten mit Proteinpulver anreichern. In der Kategorie Nahrungsergänzung & Tees finden Sie zum Beispiel:

  • AdPro78, ein fast geschmacksneutrales Eiweißkonzentrat aus Molkenprotein für süße und herzhafte Speisen
  • BasiCare Protein, bei dem ein gehäufter Esslöffel 8,8 g Eiweiß liefert
  • Jo NOVA Protein 90, ein langsam verdauliches Milcheiweiß

Aktive Senioren, die bereits regelmäßig trainieren, können ihren Eiweißbedarf bei Bedarf auch mit einem herkömmlichen Proteinpulver ergänzen. Geeignet ist beispielsweise ein Mehrkomponenten-Protein wie Weider Protein 80 Plus aus der Kategorie Sportnahrung.

Vorbeugen: Der Lebensstil macht den Unterschied

Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Krafttraining, gehört zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren zur Vorbeugung von Sarkopenie. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Eiweiß und ein gesundes Körpergewicht verringern das Risiko deutlich. Vor allem Bewegung im Alltag, etwa Treppen statt Aufzug, hilft gegen den Muskelschwund. Je früher Sie beginnen, desto besser. Eine frühe Erkennung ermöglicht es, rechtzeitig mit Bewegung, Ernährung und der Behandlung möglicher Grunderkrankungen gegenzusteuern.

Fazit: Muskelkraft ist Unabhängigkeit

Sarkopenie ist eine häufige Erkrankung im Alter, wird aber oft übersehen. Wer die Anzeichen von Muskelschwund und nachlassender Muskelkraft kennt, kann früh handeln. Krafttraining und eine bedarfsgerechte Ernährung können auch im hohen Alter Muskelkraft, Muskelmasse und körperliche Funktion positiv beeinflussen. So bleiben Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag länger erhalten.