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Warum frieren alte Menschen schneller? Ursachen und was im Alltag hilft.

Die Heizung läuft, die Strickjacke ist zugeknöpft, und trotzdem sind die Hände kalt. Viele Senioren kennen dieses Gefühl, und auch Angehörige wundern sich: Warum frieren alte Menschen so viel schneller als Jüngere?

Die Antwort liegt im Körper selbst. Mit den Jahren verändern sich Muskeln, Haut, Blutgefäße und das Temperaturempfinden. Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten Gründe und zeigt, mit welchen Tipps Sie im Herbst und Winter gut durch die kalte Jahreszeit kommen.

Warum frieren alte Menschen? – So verändert sich der Körper von Senioren

Der Körper hält seine Temperatur im Körperinneren normalerweise bei rund 37 °C. Dafür sorgt ein fein abgestimmtes System: Muskeln und Organe erzeugen Wärme, das Blut verteilt sie, und die Haut gibt sie dosiert nach außen ab. Im Alter arbeitet dieses System langsamer und weniger genau. Der Körper reagiert auf Kälte träger, und die Körpertemperatur sinkt bei Kälte schneller ab.

Weniger Muskelmasse, weniger Wärmeproduktion

Die Muskeln sind der wichtigste Ofen des Körpers. Selbst im Ruhezustand erzeugen sie Wärme und bei Bewegung ein Vielfaches mehr. Ab dem mittleren Lebensalter nimmt die Muskelmasse jedoch schrittweise ab. Weniger Muskeln bedeuten automatisch eine geringere Wärmeproduktion.

Wenn der Muskelabbau stärker ausfällt als üblich, spricht man von Sarkopenie. Wie Sie den krankhaften Muskelschwund erkennen, erfahren Sie im Ratgeber „Sarkopenie: Muskelschwund im Alter erkennen„.

Auch das Zittern, mit dem der Körper bei Kälte zusätzliche Wärme erzeugt, setzt bei älteren Menschen oft später und schwächer ein.

Der Stoffwechsel wird langsamer

Mit den Jahren sinkt der Grundumsatz, also die Energie, die der Körper in Ruhe verbraucht. Ein Teil dieser Energie wird in Körperwärme umgewandelt. Läuft der Stoffwechsel langsamer, entsteht entsprechend weniger Wärme.

Dünnere Haut und weniger Fett als Schutz

Mit zunehmendem Alter wird die Haut dünner und das darunterliegende Fettgewebe nimmt häufig ab. Diese Schicht wirkt wie eine natürliche Isolierung. Fehlt sie, kommt es schneller zu Wärmeverlust über die Körperoberfläche.

Deshalb frieren auch schlanke oder untergewichtige Menschen eher. Frauen haben im Durchschnitt weniger Muskelmasse als Männer und frieren daher in jedem Alter etwas früher.

Durchblutung und Blutgefäße reagieren träger

Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße in der Haut zusammen. So bleibt die Wärme im Körperinneren, wo die lebenswichtigen Organe sitzen. Hände, Füße, Nase und Ohren werden dann zuerst kalt.

Im Alter werden die Gefäße weniger elastisch, und die Durchblutung der Extremitäten ist häufig schwächer. Dadurch kühlen Finger und Beine schneller aus und erwärmen sich nach einer Abkühlung langsamer wieder. Tipps speziell für die Füße finden Sie in unserem Beitrag „Kalte Füße in der Winterzeit„.

Das Kälteempfinden lässt nach

Die Kälterezeptoren in der Haut melden Temperaturschwankungen an das Gehirn. Mit dem Alter werden sie weniger empfindlich. Das klingt zunächst paradox: Ältere Menschen frieren schneller, merken aber manchmal erst spät, wie stark der Körper bereits auskühlt.

Genau darin liegt ein Risiko. Wer kein deutliches Gefühl für Kälte hat, zieht sich nicht rechtzeitig wärmer an oder dreht die Heizung zu spät auf. Auch typische Signale wie Frösteln oder Gänsehaut fallen bei manchen Senioren schwächer aus. Angehörige sollten deshalb im Winter ruhig einmal fühlen, ob Hände und Füße kalt sind und auf die Temperatur in der Wohnung achten.

Weitere Ursachen: Krankheiten, Medikamente und Ernährung

Nicht immer ist allein das Alter der Grund. Hinter starkem Frösteln können auch andere Ursachen stecken, die ärztlich abgeklärt werden sollten:

  • Schilddrüsenunterfunktion: Der Stoffwechsel läuft langsamer, Betroffene sind oft müde und frieren schnell.
  • Blutarmut und Eisenmangel: Das Blut transportiert weniger Sauerstoff, Hände und Füße bleiben kalt.
  • Diabetes: Langfristig können Nerven und Blutgefäße geschädigt werden. Betroffene spüren Kälte und Hitze dann schlechter. Mehr dazu erfahren Sie im Ratgeber „Diabetisches Fußsyndrom„.
  • Durchblutungsstörungen: Treten beispielsweise in den Beinen auf und werden durch verengte Arterien verursacht.
  • Medikamente: Manche Mittel, zum Beispiel gegen Bluthochdruck, können die Durchblutung von Händen und Füßen verringern. Setzen Sie Medikamente nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
  • Mangelernährung und Untergewicht: Wer zu wenig isst, hat weniger Energie für die Wärmeproduktion.

Auch Schlafmangel, Erschöpfung und Stress können das Frieren verstärken. Bei Stress stellt der Körper die Blutgefäße in Händen und Füßen enger, das Frösteln nimmt zu. Ein geschwächtes Immunsystem nach einem Infekt macht viele Menschen ebenfalls kälteempfindlicher.

KI-generiert

Was hilft gegen das Frieren im Alter? – Unsere Tipps für den Alltag

Die gute Nachricht: Gegen das Frieren lässt sich viel tun. Meist hilft eine Kombination aus Kleidung, Raumtemperatur, Bewegung und Ernährung. Die folgenden Tipps lassen sich ohne großen Aufwand im Winter umsetzen und schützen den Körper vor dem Frieren.

Kleidung im Zwiebelprinzip

Mehrere dünne Schichten halten besser warm als ein dicker Pullover. Zwischen den Lagen bleibt Luft, die wie ein Polster isoliert. Wird es zu warm, lässt sich einfach eine Schicht ausziehen.

Wichtig sind vor allem die Stellen, an denen viel Wärme verloren geht: Kopf, Hals, Hände und Füße. Warme Socken, Hausschuhe mit fester Sohle und eine Weste sorgen auch zu Hause für Komfort. Kalte Füße machen sich besonders schnell bemerkbar, weil sie weit vom Körperinneren entfernt sind.

Die Wohnung richtig warm halten

Als Orientierung fühlen sich viele ältere Menschen im Wohnzimmer bei 20 bis 22 °C wohl, im Schlafzimmer reichen meist 17 bis 18 °C. Ein Raumthermometer hilft, die Temperatur im Blick zu behalten, gerade wenn das eigene Empfinden nachlässt.

Lüften Sie lieber mehrmals täglich kurz mit weit geöffnetem Fenster, statt das Fenster dauerhaft zu kippen. So bleibt die Wärme in den Wänden. Eine Decke auf dem Sofa und eine zusätzliche Decke im Bett sorgen für einen warmen, erholsamen Schlaf.

Bewegung bringt Wärme

Jede Bewegung lässt die Muskeln arbeiten und kurbelt die Durchblutung an. Schon ein kurzer Gang durch die Wohnung, Treppensteigen oder Fußkreisen im Sitzen wärmt spürbar.

Außerdem stärkt regelmäßiges Training die Muskeln langfristig und damit die körpereigene Wärmeproduktion. Anregungen für einfache Übungen enthält unser Ratgeber „Gymnastik im Alter„.

Wärme von innen: Essen und Trinken

Regelmäßige, warme Mahlzeiten liefern Energie und wärmen gleichzeitig von innen. Suppen, Eintöpfe und Haferbrei sind in der kalten Jahreszeit ideal. Eiweiß aus Milchprodukten, Eiern, Fisch oder Hülsenfrüchten unterstützt den Erhalt der Muskeln.

Trinken Sie auch im Winter ausreichend, am besten warmen Tee oder warmes Wasser. Heizungsluft trocknet die Schleimhäute aus, und das Durstgefühl ist im Alter oft schwächer. Weitere Tipps zu diesem Tema finden Sie im Beitrag „Richtig trinken im Alter„.

Wer ungewollt Gewicht verliert oder kaum noch Appetit hat, sollte das ärztlich abklären lassen. Reicht das normale Essen nicht aus, kann Trinknahrung helfen, den Bedarf an Energie und Eiweiß zu decken. Welche Sorte passt, zeigen unsere Übersichten zu „Fortimel“ und „Fresubin„. Hintergründe liefert der Ratgeber „Mangelernährung„.

Wärmekissen und Heizkissen sicher nutzen

Gezielte Wärme auf Nacken, Rücken oder Bauch tut gut und lockert verspannte Muskeln. Das Bosotherm 1300 Nacken- und Rückenheizkissen hat drei Temperaturstufen, einen Überhitzungsschutz und einen waschbaren Bezug aus Baumwolle.

Achten Sie bei wärmenden Produkten immer auf Sicherheit: Wer Temperatur schlechter spürt, riskiert eine Verbrennung. Legen Sie Wärmekissen und Wärmflaschen nie direkt auf die Haut und schlafen Sie nicht mit eingeschaltetem Heizkissen ein. Wie Sie Wärme richtig dosieren und wann Wärme zielführend eingesetzt werden kann, erklärt der RCS-Pro Ratgeber „Kühlen oder wärmen?„

Unterwegs bei Kälte, Wind und Schnee

Draußen kühlt der Wind den Körper zusätzlich aus. Ein warmer Mantel, Mütze, Schal und Handschuhe gehören deshalb im Winter zu jedem Spaziergang. Schützen Sie auch das Gesicht, wenn es sehr kalt ist.

Wer mit dem Rollator unterwegs ist, kennt das Problem kalter Finger am Griff. Die Rollator-Handschuhe aus dem RCS-Pro Sortiment werden direkt über die Griffe gestülpt, wärmen die Hände und lassen genügend Bewegungsspielraum zum Bremsen und Lenken. Für Rollstuhlfahrer halten der Schlupfsack Rolko-Thermo und die Wickeldecke Rolko-Thermo Beine und Körper warm.

Bei Glätte und Schnee steigt außerdem die Sturzgefahr. Hinweise dazu haben wir übersichtlich im Beitrag „Winterwetter: Gefahren und Risiken bei Kälte“ für Sie zusammengefasst.

Warnzeichen: Wann Frieren gefährlich wird

Sinkt die Körpertemperatur unter 35 °C, spricht man von einer Unterkühlung. Bei älteren Menschen kann das auch in einer zu kalten Wohnung passieren und nicht nur draußen. Weil Zittern und Gänsehaut im Alter schwächer ausfallen, bleibt eine Unterkühlung oft lange unbemerkt.

Achten Sie besonders auf diese Anzeichen:

  • blasse, kalte Haut auch am Bauch oder Rücken
  • ungewöhnliche Müdigkeit, Verwirrtheit oder verwaschene Sprache
  • langsame Bewegungen und Unsicherheit beim Gehen
  • auffallend langsamer Puls oder flache Atmung

Bei diesen Warnzeichen gilt: in einen warmen Raum bringen, nasse Kleidung wechseln, in Decken hüllen und warme, nicht heiße Getränke anbieten, sofern die Person sicher schlucken kann. Ist die Person verwirrt oder schläfrig, rufen Sie den Notruf 112. Wärmen Sie den Körper langsam auf und reiben Sie kalte Arme und Beine nicht kräftig ab. Messen können Sie die Temperatur mit einem Fieberthermometer.

Auch wenn kein Notfall vorliegt: Frieren, das plötzlich deutlich stärker wird oder mit Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Schmerzen in den Beinen einhergeht, sollte von einer Hausärztin oder einem Hausarzt untersucht werden.

Fazit: Frieren im Alter ist normal, aber kein Schicksal

Weniger Muskeln, ein langsamerer Stoffwechsel, dünnere Haut und eine trägere Durchblutung erklären, warum alte Menschen schneller frieren. Mit warmer Kleidung in Schichten, einer gut geheizten Wohnung, Bewegung und warmen, nahrhaften Mahlzeiten lässt sich viel erreichen. Wichtig ist, Warnzeichen einer Unterkühlung zu kennen und starkes Frieren immer ärztlich abklären zu lassen.


Häufige Fragen zum Frieren im Alter

Was tun, wenn ältere Menschen ständig frieren?

Zunächst sollten Sie die folgenden einfachen Stellschrauben überprüfen: Dazu gehören die Raumtemperatur, das Zwiebelprinzip bei der Kleidung, warme Mahlzeiten und ausreichend Bewegung. Bleibt das Frieren trotzdem stark, sollte die Hausärztin oder der Hausarzt mögliche Ursachen, wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder Blutarmut, abklären.

Welches Vitamin fehlt, wenn man ständig friert?

Häufiger als ein Vitaminmangel steckt ein Eisenmangel dahinter. Auch ein Mangel an Vitamin B12 kann über eine Blutarmut zu Kältegefühl führen. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt nur eine Blutuntersuchung. Nehmen Sie Präparate nicht auf Verdacht ein.

Warum friere ich bei 22 Grad?

Bei älteren Menschen ist das nicht ungewöhnlich: Weniger Muskeln, ein langsamerer Stoffwechsel und eine schwächere Durchblutung führen dazu, dass sich auch eine warme Wohnung kühl anfühlt. Ein kalter Fußboden oder Zugluft am Fenster verstärken das Gefühl zusätzlich.

Welche Krankheiten können das Frieren auslösen?

Häufige Ursachen sind eine Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut, Diabetes mit Nervenschäden sowie Durchblutungsstörungen. Auch Untergewicht und bestimmte Medikamente können das Frieren begünstigen. Um die Gesundheit nicht zu gefährden, ist es wichtig, die Ursache ärztlich abklären zu lassen.