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Ernährung zur Wundheilung 

Warum eine gute Ernährung die Wundheilung beschleunigt

Wunden wie Druckgeschwüre (Dekubitus) oder Operationswunden stellen den Körper vor große Herausforderungen. Für die Heilung dieser Verletzungen benötigt der Organismus zusätzliche Nährstoffe, Energie und Bausteine für den Gewebeaufbau. Eine ausgewogene Ernährung zur Wundheilung – vor allem eiweiß- und vitaminreich – unterstützt den Körper dabei, neue Zellen zu bilden und geschädigtes Gewebe zu reparieren. Fehlen hingegen wichtige Stoffe, kann es zu Wundheilungsstörungen kommen: Die Heilung verzögert sich oder Komplikationen wie Infektionen treten auf. Gerade Menschen mit chronischen Wunden wissen, wie langwierig der Wundheilungsprozess sein kann. Umso wichtiger ist in solchen Fällen die optimale Versorgung des Körpers mit Nährstoffen.

Druckgeschwüre treten häufig bei geschwächten, älteren Personen auf, die oft zugleich eine Fehlernährung oder Mangelernährung aufweisen. Nach größeren Operationen ist der Organismus im Stress und benötigt besonders viele Baustoffe für die Reparatur der OP-Wunden. In beiden Fällen gilt: Die richtige Ernährung kann die Heilung entscheidend beschleunigen.

Ein guter Ernährungszustand ist die Voraussetzung für eine normale Wundheilung. Ist ein Mangel an Proteinen, Vitaminen oder Mineralstoffen vorhanden, leidet die Regeneration der Haut. Mangelernährung zählt daher zu den Risikofaktoren für schlecht heilende Wunden. Umgekehrt kann eine gezielte Ernährungsanpassung den Heilungsprozess deutlich verbessern. Im Folgenden erfahren Sie, welche Nährstoffe besonders wichtig sind und wie eine angepasste Kost zur Unterstützung der Wundheilung aussieht.

Eiweiß: Baustoff für Zellen und Gewebe

Eiweiß (Protein) ist der zentrale Baustein für den Aufbau von neuem Gewebe. Unsere Muskeln, Haut, Sehnen und Knochen bestehen zum großen Teil aus Eiweiß. Bei einer Verletzung muss der Körper viele neue Zellen bilden – Proteine liefern dafür das Zellbaumaterial. Eine ausreichende Eiweißzufuhr beschleunigt daher die Regeneration von Wundgewebe und unterstützt den gesamten Wundheilungsprozess. Umgekehrt führt ein Eiweißmangel dazu, dass der Körper eigenes Gewebe abbaut (z.B. Muskeln), was die Heilung verzögern kann. Eiweiß ist zudem für ein funktionierendes Immunsystem wichtig, da viele Immunzellen und Antikörper aus Protein bestehen.

Während der Wundheilung ist der Eiweißbedarf deutlich erhöht. Schon im normalen Alter oder bei Krankheit empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie Fachgesellschaften mindestens 1,0 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Zum Vergleich: Gesunde Erwachsene benötigen ca. 0,8 g/kg. Bei schlecht heilenden Wunden oder nach Operationen raten Expert*innen oft zu noch höheren Mengen. Je nach Größe der Wunde kann der Bedarf sogar auf 1,5 bis 2 g Eiweiß pro kg Körpergewicht ansteigen. Dieser Mehrbedarf ergibt sich auch, weil – etwa bei großflächigen oder stark nässenden Wunden – viel Eiweiß über Wundflüssigkeit verloren gehen kann.

Proteinreiche Ernährung bedeutet jedoch nicht, nur Fleisch zu essen. Sinnvoll ist eine vielseitige Kost mit magerem Fleisch und Fisch, fettarmen Milchprodukten, Eiern sowie pflanzlichen Eiweißquellen wie Hülsenfrüchten (z.B. Linsen, Bohnen, Erbsen), Nüssen, Vollkornprodukten und Haferflocken. Insbesondere pflanzliche Eiweißquellen liefern neben Proteinen auch noch wertvolle Vitamine und Mineralstoffe. Achten Sie zudem darauf, genügend Kalorien aufzunehmen. Sonst nutzt der Körper Eiweiß als Energiequelle und es steht entsprechend weniger für die Wundheilung zur Verfügung.

Vitamine und Mineralstoffe: Helfer bei der Heilung

Neben Eiweiß benötigt der Körper verschiedene Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, um Wunden zu heilen. Diese Mikronährstoffe steuern zahllose Stoffwechselprozesse und sind unerlässlich für ein starkes Immunsystem und ein gesundes Zellwachstum.

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  • Vitamin C: Dieses Vitamin spielt eine Schlüsselrolle bei der Bildung von Kollagen, dem wichtigsten Strukturprotein der Haut. Ohne genug Vitamin C kann das neugebildete Wundgewebe nicht stabil aufgebaut werden. Außerdem stärkt Vitamin C das Immunsystem und schützt die Zellen vor oxidativem Stress. Gute Quellen sind Zitrusfrüchte, Beeren, Paprika, Brokkoli und Kartoffeln.
  • Vitamin A: Vitamin A unterstützt die Zellteilung und das Wachstum von Hautzellen. Es sorgt für eine gesunde Hautbarriere und ist wichtig für die Schleimhäute. In der Wundheilung hilft Vitamin A, geschädigtes Gewebe zu erneuern. Enthalten ist es z.B. in Karotten, Süßkartoffeln, Grünkohl, Spinat, Eigelb und Käse.
  • Vitamin E: Als Antioxidans hilft Vitamin E, Zellen vor Schäden zu bewahren, und unterstützt die Abwehr von Entzündungen. Es trägt damit indirekt zu einem besseren Heilklima in der Wunde bei. Vitamin E kommt vor allem in pflanzlichen Ölen (Weizenkeim-, Sonnenblumenöl), Nüssen und Samen vor.
  • Vitamin K: Dieses Vitamin ist bekannt für seine Rolle bei der Blutgerinnung – und damit in der allerersten Phase der Wundheilung wichtig, wenn sich die Wunde verschließt. Außerdem benötigt der Knochenstoffwechsel Vitamin K. Grünes Gemüse wie Spinat, Grünkohl, Brokkoli sowie Milchprodukte und Fleisch sind gute Vitamin K Lieferanten.
  • B-Vitamine: Die Vitamine der B-Gruppe (insbesondere Vitamin B12 und Folsäure) werden für die Bildung neuer Zellen und Blutkörperchen benötigt. Ein Mangel kann die Wundheilung verzögern. B-Vitamine findet man in Fleisch, Fisch, Eiern, Milch sowie in grünen Gemüsen und Vollkornprodukten. Bei einer veganen Ernährung sollte Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden.
  • Zink: Dieses Spurenelement ist an der Zellteilung und Proteinsynthese beteiligt und somit für die Wundheilung essentiell. Zink stärkt auch die Immunabwehr. Ein Zinkmangel schwächt die Hautschutzbarriere und erhöht das Infektionsrisiko. Enthalten ist Zink z.B. in Fleisch, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen und Haferflocken.
  • Weitere Spurenelemente sind beispielsweise Eisen, das für den Sauerstofftransport im Blut und die Energiebereitstellung in Zellen benötigt wird, sowie Selen und Kupfer, die das Immunsystem und zahlreiche Enzymfunktionen unterstützen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und Proteinen liefert normalerweise ausreichend davon.

Diese Vitamine und Mineralstoffe arbeiten Hand in Hand, um den Heilungsprozess und die Wundheilung zu unterstützen. Deshalb sollte man auf eine bunte, abwechslungsreiche Kost achten. Obst und Gemüse liefern reichlich Vitamine, während Nüsse, Vollkorn und Hülsenfrüchte wichtige Mineralstoffe beisteuern. Bei starken Mangelzuständen können gezielte Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein. Sprechen Sie dies aber immer mit Ihrer Ärztin/ Ihrem Arzt oder Ernährungsberater bzw. Ihrer Ernährungsberaterin ab.

Erhöhter Nährstoffbedarf: chronische Wunden und Operationen

Größere Wunden bedeuten für den Körper immer Mehrarbeit. Chronische Wunden wie Druckgeschwüre oder langwierige OP-Wunden führen zu einer erhöhten Stoffwechselbelastung. Der Organismus benötigt mehr Energie und Nährstoffe, um das Wundgewebe zu erneuern. In der Fachliteratur wird daher für Dekubitus-Patienten eine erhöhte Energie- und Eiweißzufuhr empfohlen: rund 30–35 kcal und 1,25–1,5 g Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht und Tag.

Häufig leiden betroffene Patienten auch unter Appetitlosigkeit oder können wegen anderer Krankheiten nicht genug essen. Die Folge ist Gewichtsverlust und eine Verschlechterung des Ernährungszustands. Interessant: Selbst Menschen mit hohem Body-Mass-Index (BMI) können unterversorgt sein, wenn nährstoffarme Kost zu Mangelernährung führt. Daher sollte man bei chronischen Wunden oder nach schweren Operationen das Thema Ernährung immer mitdenken. Eine Ernährungsberatung kann helfen, den individuellen Nährstoffbedarf zu ermitteln und Mangelzuständen vorzubeugen oder diese zu beheben.

In vielen Fällen ist es sinnvoll, die normale Nahrung durch eine spezielle Aufbaunahrung zu ergänzen. Hochkalorische medizinische Trinknahrung liefert zusätzliche Kalorien, Proteine sowie Vitamine und Spurenelemente in konzentrierter Form. Diese Produkte können häufig als trinkfertige Shakes eingenommen werden und dienen entweder als Ergänzung zur normalen Kost oder als Mahlzeitenersatz. 

Im RCS-Pro Onlineshop finden Sie dazu eine große Auswahl, z.B. Fresubin Trinknahrung oder Fortimel Trinknahrung, die bei krankheitsbedingter Mangelernährung und erhöhtem Energiebedarf zum Einsatz kommen. Auch Eiweißpulverzum Anreichern von Speisen oder Getränken sind erhältlich, um eine ausreichende Proteinzufuhr sicherzustellen. Lassen Sie sich bei der Auswahl geeigneter Produkte am besten beraten – Nahrungsergänzung sollte gezielt und bedarfsgerecht eingesetzt werden.

Ausreichend Flüssigkeit zuführen

Nicht zu unterschätzen ist die Rolle von Wasser: Eine gute Flüssigkeitsversorgung des Körpers ist wichtig für die Durchblutung und den Stoffwechsel. Bei Flüssigkeitsmangel wird die Haut weniger elastisch, anfälliger und Verletzungen heilen schlechter. Trinken Sie also genug! Als grobe Orientierung gelten 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Tag, bei Fieber oder großen Wunden gerne auch mehr. Insbesondere wenn eine Wunde viel Flüssigkeit (Wundsekret) absondert, muss der Verlust durch ausreichendes Trinken ausgeglichen werden. Bevorzugen Sie Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Saftschorlen. Eine ausreichende Hydrierung unterstützt den Kreislauf und transportiert Nährstoffe an den Ort der Wundheilung.

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Gesunde Fette: Omega-3-Fettsäuren

Nicht alle Fette sind schlecht – im Gegenteil: Speziell Omega-3-Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften und können helfen, übermäßige Entzündungsreaktionen im Wundgebiet zu reduzieren. Das entlastet das Immunsystem und fördert indirekt die Heilung. Omega-3-Fette findet man vor allem in fettem Seefisch (Lachs, Hering, Makrele), in Leinöl, Walnüssen und Chiasamen. Daneben sind auch Omega-6-Fettsäuren wichtig, allerdings nehmen wir von diesen meist schon genug über die Nahrung auf (z.B. in Sonnenblumenöl, Margarine etc.). Achten Sie insgesamt darauf, ungesättigte Fettsäuren aus pflanzlichen Ölen und Fisch zu bevorzugen und trans- und gesättigte Fettsäuren (gehärtete Fette, viel Butter, fettiges Fleisch) zu reduzieren.

Fette gehören, wie Eiweiß und Kohlenhydrate, zu den drei Makronährstoffen, die den Hauptanteil unserer Nahrung ausmachen und den Energiebedarf decken. Gesunde Fette dienen zudem als Energielieferant und helfen, fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) aufzunehmen.

Praktische Tipps für die Ernährung bei Wundheilung

Zum Abschluss haben wir einige konkrete Tipps für Sie zusammengefasst, wie Sie im Alltag mit einfachen Mitteln die Ernährung an eine Wundsituation anpassen können:

  • Protein in jede Mahlzeit einbauen: Versuchen Sie, zu jeder Mahlzeit eine Eiweißquelle zu verzehren. Zum Beispiel ein Milchprodukt (Quark, Joghurt, Käse), Ei, mageres Fleisch oder Fisch, Tofu oder Bohnen. So erhöhen Sie automatisch die Proteinzufuhr.
  • Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag: Damit stellen Sie sicher, dass Ihr Körper reichlich Vitamine und Mineralstoffe erhält. Eine bunte Auswahl sorgt für eine breite Nährstoffversorgung.
  • Hochwertige Kalorien zuführen: Während der Wundheilung darf die Ernährung ruhig etwas kalorienreicher sein, da der Energiebedarf erhöht ist. Greifen Sie dabei zu nährstoffreichen Lebensmitteln, wie z.B. zu Nüssen und Avocados (als gesunde Fette), Vollkornprodukte oder Kartoffeln (als komplexe Kohlenhydrate) sowie zu kaltgepressten pflanzlichen Ölen. So erhalten Sie Energie plus wertvolle Nährstoffe.
  • Bei Appetitlosigkeit clever anreichern: Wenn Sie nur kleine Portionen schaffen, machen Sie diese so kalorien- und nährstoffreich wie möglich. Eine Möglichkeit ist es Suppen mit Sahne oder Öl zu verfeinern, in den Kartoffelbrei etwas Butter einzurühren, über das Essen geriebenen Käse zu geben oder Zwischenmahlzeiten wie fertige Trinknahrung nutzen.
  • Auf Warnsignale achten: Ungewollter Gewichtsverlust, auffallende Schwäche oder Infektanfälligkeit können auf eine unzureichende Versorgung hinweisen. Holen Sie frühzeitig ärztlichen Rat ein, bevor ein Eiweiß- oder Vitaminmangel entsteht.
  • Professionelle Hilfe nutzen: Scheuen Sie sich nicht, bei chronischen Wunden einen Ernährungsberater zu Rate zu ziehen. Gemeinsam können Strategien entwickelt werden, wie Sie Ihre Nährstoffaufnahme hinsichtlich einer optimalen Wundheilung verbessern können. Bei Bedarf kann auch über Nahrungsergänzungsmittel oder künstliche Ernährung (z.B. Sondennahrung) beraten werden.

Mit einer optimierten Ernährung schaffen Sie die Basis für einen erfolgreichen Heilungsverlauf. Der Körper erhält alle Bausteine, die er für Wachstum, Reparatur und Regeneration der Wunde benötigt. Zusätzlich wirkt sich eine verbesserte Ernährungsweise oft positiv auf das allgemeine Wohlbefinden aus. Patienten fühlen sich kräftiger, haben mehr Energie im Alltag und sind besser gegen Krankheiten gewappnet. Man profitiert also mehrfach von einer angepassten Kost. In Kombination mit einer guten Wundversorgung und der ärztlich verordneten Therapie können Sie so aktiv dazu beitragen, dass Wundheilungsprozesse möglichst reibungslos ablaufen.

Die richtige Sondennahrung auswählen: Was Angehörige und Betroffene wissen müssen

Die Entscheidung für eine Sondenernährung, die enterale Ernährung über eine Ernährungssonde, wirft bei Angehörigen und Betroffenen oft viele Fragen auf. Insbesondere steht im Raum, wie man die richtige Sondennahrung auswählt, um eine optimale Versorgung des Patienten sicherzustellen.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, worauf es bei der Auswahl ankommt, welche Arten von Sondennahrung es gibt und welche Kriterien für unterschiedliche Patienten und Situationen gelten. So können Pflegekräfte, Angehörige und Betroffene fundierte Entscheidungen treffen und für eine bedarfsgerechte künstliche Ernährung sorgen.

Was bedeutet Sondenernährung und wann wird sie benötigt?

Sondenernährung ist eine Form der künstlichen Ernährung, bei der flüssige Nährlösungen, die Sondennahrung, direkt in den Magen oder Darm des Patienten geleitet werden. Dies erfolgt über einen flexiblen Schlauch, die sogenannte Ernährungssonde, welche entweder durch die Nase in den Magen eingeführt wird (nasogastrale Sonde) oder in Form einer PEG-Sonde direkt durch die Bauchdecke gelegt wird (PEG = perkutane endoskopische Gastrostomie). In einigen Fällen wird die Sonde auch tiefer in den Dünndarm gelegt (Jejunalsonde), z.B. wenn der Magen umgangen werden muss. Auf diese Weise können Patienten mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt werden, selbst wenn normales Essen und Trinken nicht möglich ist.

Wann kommt Sondenernährung zum Einsatz?

Diese Form der enteralen Ernährung kommt bei ganz unterschiedlichen Situationen zum Einsatz. Häufige Gründe sind Schluckstörungen (z.B. nach Schlaganfall oder bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson oder ALS), Tumorerkrankungen im Kopf-Hals-Bereich, schwere Erkrankungen des Verdauungssystems oder Verletzungen, die eine orale Ernährung verhindern. Auch bei Bewusstlosigkeit, fortgeschrittener Demenz oder in Phasen nach großen Operationen kann eine Sonde erforderlich werden, um einer Mangelernährung vorzubeugen. Die Lage der Sonde (im Magen oder Darm) wird je nach Situation gewählt: Liegt die Sondenspitze im Magen (gastrale Sonde), bleibt der normale Verdauungsweg weitgehend intakt. Bei einer Dünndarmsonde (intestinale Ernährung) werden Nährstoffe direkt in den Darm gegeben, was sinnvoll ist, wenn der Magen geschont oder Aspirationsgefahr vermieden werden muss.

Vollbilanzierte Sondennahrung: alle Nährstoffe in einer Formel

Die gute Nachricht für Angehörige und Patienten ist: Moderne Standard-Sondennahrung ist vollbilanziert. Das heißt, sie enthält eine ausgewogene Mischung aller wichtigen Nährstoffe, also Kohlenhydrate, Eiweiß (Protein), Fette (inklusive essenzieller Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren), Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, um den Körper vollständig zu ernähren. Diese Nährlösungen wurden ursprünglich für medizinische Zwecke entwickelt und ähneln in Konzept und Nährstoffdichte der sogenannten „Astronautenkost“ (Raumfahrernahrung), die sämtliche Makro- und Mikronährstoffe in kompakter Form liefert. Sondennahrungen weisen je nach Produkt einen definierten Ballaststoffgehalt auf: Einige enthalten Ballaststoffe (oft als „Fibre“ oder „Multi Fibre“ gekennzeichnet), um die Darmgesundheit zu unterstützen, während andere ballaststofffrei sind, falls der Darm entlastet werden muss.

Standard-Sondenkost dient dazu, den täglichen Nährstoffbedarf vollständig zu decken und eine ausreichende Energiezufuhr sicherzustellen. Sie wird als bilanzierte Diät für die enterale Ernährung eingesetzt, oft mit einer Energiedichte von etwa 1 kcal pro ml (sogenannt normokalorisch) oder in höher konzentrierter Form mit 1,2–1,5 kcal/ml (hochkalorisch), um bei geringerer Menge mehr Kalorien zu liefern. Letzteres ist besonders vorteilhaft, wenn Patienten nur begrenzte Flüssigkeitsmengen vertragen oder einen sehr hohen Kalorienbedarf haben. So enthält z.B. eine hochkalorische Sondennahrung häufig ~1,5 kcal pro ml, was es ermöglicht, den Kalorienbedarf mit weniger Volumen zu erreichen. Generell sind alle Sondennahrungen streng kontrolliert, meist laktosearm oder laktosefrei sowie glutenfrei, sodass sie auch von Patienten mit entsprechenden Unverträglichkeiten gut vertragen werden.

Kriterien für die Auswahl der richtigen Sondennahrung

Die Auswahl der passenden Sondennahrung sollte individuell auf den Patienten abgestimmt erfolgen – denn nicht jeder braucht die gleiche Nährstoffmischung. Verschiedene Kriterien sind zu berücksichtigen, damit die Sondenkost optimal zum Krankheitsbild, den Bedürfnissen und der Verdauungsleistung des Betroffenen passt.

Die wichtigsten Faktoren, auf die Angehörige und Pflegende achten sollten, sind:

  • Medizinische Indikation und Krankheitsbild: Die Grunderkrankung des Patienten spielt eine große Rolle. Standard-Sondennahrung enthält alle essenziellen Nährstoffe in ausgewogener Form und eignet sich für die meisten Patienten. Liegen jedoch bestimmte Erkrankungen vor – etwa Diabetes mellitus oder Niereninsuffizienz –, gibt es speziell abgestimmte Sondennahrungen mit angepasster Zusammensetzung. Zum Beispiel enthalten diabetesspezifische Sondennahrungen weniger schnell verfügbare Kohlenhydrate und einen höheren Anteil an Ballaststoffen, um den Blutzucker stabil zu halten (im RCS-Sortiment z.B. Fresubin Diben als Trink- und Sondennahrung für Diabetiker). Für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion gibt es Nährlösungen mit reduziertem Eiweiß- und Elektrolytgehalt, aber hoher Energiedichte, um die Nieren zu entlasten (z.B. Fresubin Renal, 2 kcal/ml). Auch bei Lebererkrankungen, Krebs oder anderen Krankheitsbildern existieren spezielle Diäten. Hier sollte stets die Empfehlung des Arztes oder Ernährungsfachpersonals eingeholt werden.
  • Nährstoffbedarf und Energiedichte: Jeder Mensch hat je nach Zustand einen individuellen Kalorien- und Proteinbedarf. Bei der Auswahl der Sondennahrung ist daher auf die Energiedichte zu achten. Normokalorische Produkte liefern etwa 1,0 kcal/ml und decken den Grundbedarf, während hochkalorische Produkte (1,2–1,5 kcal/ml) geeignet sind, wenn ein erhöhter Bedarf besteht oder das Trinkvolumen beschränkt werden muss. Im Sortiment von RCS Pro finden Sie beide Varianten: z.B. Nutrison Multi Fibre (normokalorisch, 1,0 kcal/ml) und Nutrison Energy Multi Fibre (hochkalorisch, 1,5 kcal/ml), oder HiPP Sondennahrung Hochkalorisch mit 1,5 kcal/ml. Wichtig ist auch der Eiweißgehalt: Standardprodukte enthalten meist rund 10–15 En% Protein. Sollte ein Patient jedoch einen erhöhten Eiweißbedarf haben (etwa bei Wundheilungsstörungen, Dekubitus oder allgemein schlechtem Ernährungszustand), empfiehlt sich eine eiweißreiche Nahrung. Hierfür gibt es hochproteinhaltige Varianten wie Fresubin HP Energy (High Protein) oder Resource Protein. Diese liefern mehr Kraft für den Körper, unterstützen den Muskelerhalt und die Genesung. Umgekehrt kann bei bestimmten Stoffwechselsituationen auch eine Begrenzung von Protein oder anderen Nährstoffen notwendig sein – all dies fließt in die Auswahl ein.
  • Verdauungsfunktion und Verträglichkeit: Ein kritischer Aspekt ist, ob der Patient die Nahrung normal verdauen kann. Hochmolekulare Sondennahrung enthält Nährstoffe in ursprünglicher Form und erfordert eine weitgehend intakte Verdauungs- und Resorptionsfunktion des Magen-Darm-Trakts. Diese Form wird in den meisten Fällen gut funktionieren, solange Magen, Darm und Bauchspeicheldrüse normal arbeiten. Ist die Verdauung jedoch eingeschränkt – etwa bei Kurzdarmsyndrom, schweren Magen-Darm-Erkrankungen oder Pankreasinsuffizienz – kann eine niedermolekulare Sondennahrung sinnvoll sein. Niedermolekular heißt: Die Nährstoffe sind bereits in kleinere Bausteine aufgespalten (Peptide statt ganzer Proteine, leicht verdauliche Kohlenhydrate, MCT-Fette etc.), sodass der Darm entlastet wird und die Aufnahme trotz eingeschränkter Verdauungsleistung gewährleistet ist. Solche „elementaren“ oder „oligomeren“ Diäten (z.B. Nutrison Peptisorb, Fresubin Peptiform) werden oft bei schweren Resorptionsstörungen eingesetzt.
  • Ballaststoffgehalt: Ballaststoffe helfen, die Darmfunktion zu regulieren und Durchfall oder Verstopfung vorzubeugen, indem sie den Stuhl regulieren und die Darmflora unterstützen. Viele Standardprodukte sind deshalb als „Fibre“ gekennzeichnet und enthalten eine definierte Menge an Ballaststoff. Allerdings gibt es Situationen, in denen Ballaststoffe vorübergehend gemieden werden sollten wie z.B. bei akuten Entzündungen oder unmittelbar nach Darmoperationen. Dann greift man auf ballaststofffreie Sondennahrung zurück. Auch die Sondenlage hat Einfluss auf die Verträglichkeit: Wird direkt in den Dünndarm ernährt (Jejunalsonde), sind kleinere Portionen oder kontinuierliche Pumpenzufuhr und leicht verdauliche Formeln oft besser verträglich, da der Magen als Puffer fehlt. Insgesamt gilt: Die Nährstoffzusammensetzung und Form der Sondennahrung sollte zur Verdauungsfunktion des Patienten passen, um maximale Verträglichkeit sicherzustellen.
  • Allergien und Unverträglichkeiten: Selbst wenn die meisten Sondennahrungen allergenarm sind, muss bei bestimmten Bedürfnissen auf die Inhaltsstoffe geachtet werden. Ein Beispiel ist die Milcheiweiß-Allergie oder -Unverträglichkeit: Da viele Nährlösungen Kasein oder Molkenprotein (aus Milch) als Eiweißquelle nutzen, benötigt man in solchen Fällen Alternativen. Es gibt spezielle Produkte auf Sojabasis oder mit rein pflanzlichen Zutaten, die kein Kuhmilcheiweiß enthalten. So führt RCS Pro etwa Nutrison Soya Multi Fibre, eine vollbilanzierte Soya-Sondennahrung mit Ballaststoff, für Patienten mit Milcheiweißunverträglichkeit. Weitere mögliche Unverträglichkeiten, die berücksichtigt werden müssen, sind z.B. Gluten (die meisten Sondennahrungen sind jedoch glutenfrei) oder bestimmte Fette. Hier hilft ein Blick auf die Zusammensetzung und Zutatenliste. Im Zweifelsfall sollte man Rücksprache mit dem Arzt oder Ernährungsberater halten, um ein Produkt zu finden, das alle Nährstoffe liefert, ohne problematische Inhaltsstoffe für den Betroffenen.
  • Alter des Patienten (Kind vs. Erwachsener): Kinder in der Sondenernährung haben andere Anforderungen als Erwachsene. Insbesondere Kleinkinder und Heranwachsende benötigen angepasste Nährstoffprofile, da sie sich im Wachstum befinden. Für sie gibt es spezielle Kindernahrung zur Sondenernährung, die an den Bedarf im jeweiligen Alter abgestimmt ist. Ein Beispiel ist Nutrini (Kinder-Sondennahrung von Nutricia) oder HiPP Kinder Sondennahrung (für Kinder ab 1 Jahr). Diese Produkte haben in der Regel eine etwas höhere Energiedichte (ca. 1,2–1,3 kcal/ml) und liefern mehr von bestimmten Nährstoffen wie Calcium oder Vitamin D, um dem Wachstum gerecht zu werden. Bei der Versorgung von Kindern sollte immer eng mit kindergastroenterologischen Ernährungsberatern oder Kinderärzten zusammengearbeitet werden, um die richtige Diät zu wählen. Für Erwachsene hingegen sind die standardmäßigen Erwachsenen-Sondennahrungen angezeigt, die es wie beschrieben in verschiedenen Varianten gibt.
  • Handhabung und Verabreichung: Zwar beeinflusst die Verabreichungsart (über Schwerkraft, Spritze/Bolus oder Ernährungspumpe) nicht direkt die Nährlösung selbst. Denn nahezu alle industriellen Sondennahrungen sind flüssig und gebrauchsfertig. Jedoch kann man im Alltag kleine Unterschiede berücksichtigen. Einige Produkte werden in EasyBag-Beuteln geliefert, die direkt an Pumpensysteme oder Schwerkraftsets angeschlossen werden können. So liefert z.B. Fresenius Kabi viele Fresubin-Produkte in 500 ml oder 1000 ml Beuteln. Andere kommen in Trinkflaschen oder Tetrapacks, die ggf. in Behälter umgefüllt werden müssen. Hier sollte man überlegen, was im häuslichen Alltag am praktischsten ist. Für die Bolusgabe (Portionen per Spritze) eignen sich z.B. auch Flaschen, aus denen man die gewünschte Menge entnehmen kann. Bei Dauerernährung über Nacht mit Pumpe sind große Beutel vorteilhaft.
  • Geschmack und Verwendung als Trinknahrung: Dieser Aspekt spielt vor allem dann eine Rolle, wenn der Patient zumindest teilweise noch oral Nahrung aufnehmen kann oder die Sondenkost ab und zu als Trinknahrung genutzt wird. Viele Sondennahrungen können auch getrunken werden und sind in verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. So gibt es beispielsweise die HiPP Sondennahrung Hochkalorisch in den Varianten Kürbis & Karotte, Huhn & Gemüse oder Milch & Banane, was für etwas Abwechslung sorgt. Als reine Sondenernährung, also über die Sonde verabreicht, ist der Geschmack für den Patienten nicht spürbar. Aber es kann psychologisch angenehm sein zu wissen, dass die Nahrung „echte“ Lebensmittel enthält. Astronautenkost in Form von Trinknahrung gibt es in süßen Geschmacksrichtungen wie Vanille, Schokolade oder Erdbeere. Sie wird relevant, sobald ein Patient wieder teilweise über den Mund essen darf. Insgesamt sollte jedoch die Nährwertzusammensetzung immer Vorrang vor dem Geschmack haben, solange die Nahrung ausschließlich über die Sonde gegeben wird.

Praktische Tipps für Angehörige und Pflegende

Angehörige und Pflegekräfte stehen beim Thema Sondenernährung oft vor einer neuen Situation. Wichtig ist, sich von Fachleuten schulen zu lassen – nicht nur in der Handhabung der Sonde, sondern auch bezüglich der Auswahl und Ernährungstherapie selbst. Stellen Sie Fragen, wenn etwas unklar ist: zum Beispiel, warum eine bestimmte Sondennahrung gewählt wurde, wie viel davon pro Tag verabreicht werden soll und woran man merkt, ob der Patient sie gut verträgt. Eine gut informierte Pflegeperson kann besser auf Veränderungen reagieren und gemeinsam mit dem Arzt die Ernährung anpassen, falls nötig.

Bei der Versorgung zu Hause empfiehlt es sich, immer etwas Vorrat der Sondennahrung im Haus zu haben, um Engpässe zu vermeiden. Sorgen bezüglich der Nährstoffversorgung können meist zerstreut werden: Die industriell hergestellten Nahrungen sind so konzipiert, dass sie bei ausschließlicher Ernährung alle notwendigen Kalorien und Nährstoffe liefern. Sollte dennoch Gewichtsverlust oder ein Mangel auftreten, gibt es Möglichkeiten, durch hochkalorische Zusatznahrung (z.B. zusätzliche Trinknahrung) gegenzusteuern. Gedanken über die frühere „normale Ernährung“ sind verständlich – viele Betroffene vermissen das Essen und Trinken als sozialen und geschmacklichen Genuss. Hier können kleine Rituale helfen, etwa Mundpflege mit aromatisierten Produkten oder (wenn erlaubt) gelegentliches Kosten von Speisen in minimalen Mengen für den Geschmack, um die Lebensgeister zu wecken.

Nicht zuletzt spielt die Lebensqualität eine große Rolle: Die richtige Sondennahrung kann dazu beitragen, dass sich der Körper schneller erholt und der Krankheitsverlauf positiv beeinflusst wird. Wenn der Patient dank optimaler Ernährung mehr Kraft hat und Mangelzustände vermieden werden, verbessern sich oft auch Stimmung und allgemeines Wohlbefinden. Für Angehörige ist es beruhigend zu sehen, dass der Betroffene durch die enterale Ernährung stabil bleibt und alle Nährstoffe erhält. So müssen sie sich weniger Sorgen um das Thema Ernährung machen.

Fazit

Die Wahl der richtigen Sondennahrung ist ein wichtiger Baustein in der Versorgung von Patienten mit enteraler Ernährung. Sie sollte stets im Hinblick auf die individuellen Bedürfnisse und die medizinische Situation getroffen werden. Standardprodukte sichern die Grundversorgung, während spezielle Sondennahrungen auf besondere Anforderungen zugeschnitten sind. Lassen Sie sich im Zweifel von Ärzten oder Ernährungsfachkräften beraten, welche Art von Sondenkost im konkreten Fall optimal ist.

Dank der heutigen Vielfalt – von normokalorisch bis hochkalorisch, mit oder ohne Ballaststoffe, für verschiedene Krankheitsbilder und Altersgruppen – lässt sich für nahezu jeden Patienten die passende Lösung finden. So trägt die Sondenernährung dazu bei, die Gesundheit zu stabilisieren, Komplikationen vorzubeugen und die bestmögliche Lebensqualität unter den gegebenen Umständen zu erhalten.

Die richtige Sondennahrung auszuwählen mag anfangs komplex erscheinen, aber mit den genannten Kriterien und einer kompetenten Beratung kann diese Herausforderung gemeistert werden – zum Wohl des Patienten und zur Entlastung der Angehörigen.

Richtig trinken im Alter: Tipps gegen Dehydrierung und geeignete Getränke

Richtig zu trinken im Alter ist ein wichtiges Thema. Denn mit dem Alter lässt das Durstgefühl nach – dabei ist ausreichendes Trinken für ältere Menschen besonders wichtig, um Gesundheit und Wohlbefinden zu erhalten. Vielen Senioren fällt es schwer, die empfohlene Trinkmenge zu erreichen: Vergesslichkeit, ein vermindertes Durstempfinden oder Angst vor häufigem Harndrang führen dazu, dass sie zu wenig Flüssigkeit aufnehmen. Die Folgen von Flüssigkeitsmangel (Dehydration) können von Kopfschmerzen und Schwindel bis hin zu Verwirrtheit und schweren Gesundheitsproblemen reichen.

Warum ist ausreichendes Trinken im Alter wichtig?

Wasser ist der Hauptbestandteil unseres Körpers. Bei älteren Menschen machen Körperflüssigkeiten zwar etwas weniger vom Körpergewicht aus (etwa 50 % bei Senioren im Vergleich zu ~60 % bei Jüngeren), dennoch ist Flüssigkeit für alle lebenswichtigen Funktionen unverzichtbar. Jede Körperzelle benötigt Wasser, und alle Organe – vom Herz bis zum Darm – müssen kontinuierlich mit Flüssigkeit versorgt werden, um richtig zu funktionieren.

Wasser dient im Körper als Lösungs- und Transportmittel für Nährstoffe und Sauerstoff, als Kühlmittel zur Regulierung der Körpertemperatur (Schwitzen verhindert Überhitzung) und als Schmiermittel für Gelenke und Schleimhäute. Auch die Verdauung ist auf genügend Flüssigkeit angewiesen: Nur mit ausreichend Wasser kann der Speisebrei im Verdauungstrakt geschmeidig gehalten und durch den Darm transportiert werden.

Zudem ist eine gute Hydration wichtig für den Kreislauf: Das Blut besteht zu großen Teilen aus Wasser. Bei Wassermangel verdickt es sich, was die Versorgung der Zellen mit Nährstoffen und Sauerstoff erschwert und das Herz-Kreislauf-System belastet. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist daher von großer Bedeutung für die Aufrechterhaltung aller Körperfunktionen. Insbesondere die Nieren benötigen im Alter genügend Wasser, da ihre Fähigkeit, den Harn zu konzentrieren, nachlässt – sie müssen also mehr Flüssigkeit ausscheiden, um Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen. Wer im Alter genügend trinkt, unterstützt somit alle Organe und erhält Gesundheit und Leistungsfähigkeit.

Warum trinken viele Senioren zu wenig?

Im Alter verändert sich der Körper und damit auch das Trinkverhalten. Häufig verspüren Senioren weniger Durst als jüngere Menschen – das Durstempfinden lässt nach oder geht teilweise sogar verloren. Bei letzterem spricht man medizinisch von Adipsie. Selbst wenn der Körper Flüssigkeit bräuchte, meldet sich das Durstsignal dann nicht zuverlässig. Diese Veränderung ist eine der Hauptursachen dafür, dass ältere Menschen oft zu wenig trinken.

Hinzu kommen weitere Faktoren: Vergesslichkeit oder demenzielle Veränderungen führen dazu, dass das Trinken im Alltag schlicht vergessen wird. Manche ältere Menschen schränken die Trinkmenge bewusst ein, aus Angst sonst zu häufig zur Toilette zu müssen oder aufgrund von Inkontinenz-Problemen. Der vermehrte Harndrang wird als störend empfunden, insbesondere nachts, sodass aus Furcht vor nächtlichen Toilettengängen abends oft nichts mehr getrunken wird – ein folgenschwerer Fehler.

Auch körperliche Einschränkungen können zur geringen Flüssigkeitsaufnahme beitragen. Wer motorische Probleme hat oder körperlich geschwächt ist, dem fällt es möglicherweise schwer, sich Getränke zu holen oder ein volles Glas sicher zu halten. Menschen mit Zittern oder schwacher Handkraft vermeiden vielleicht das Trinken, weil sie befürchten, etwas zu verschütten. Unentdeckte Schluckstörungen (z.B. nach einem Schlaganfall oder bei Parkinson) können das Trinken unangenehm oder schmerzhaft machen, was ebenfalls dazu führt, dass Betroffene weniger trinken.

Schließlich spielen auch Gewohnheiten eine Rolle: Manche Senioren haben veraltete Regeln wie „Beim Essen trinkt man nicht!“ verinnerlicht oder empfinden schlicht wenig Geschmack am faden Wasser. In Kombination führen diese Ursachen dazu, dass die Flüssigkeitsaufnahme im Alter oft geringer ausfällt als eigentlich nötig.

Nicht zuletzt können auch Erkrankungen und Medikamente den Flüssigkeitshaushalt beeinflussen – zum Beispiel verlieren Diabetiker durch häufiges Wasserlassen viel Flüssigkeit, und entwässernde Medikamente (Diuretika) erhöhen die Ausscheidung. Wenn solche Faktoren zusammenkommen, steigt das Risiko für einen Flüssigkeitsmangel erheblich.

Risiken und Folgen von Flüssigkeitsmangel

Ein Flüssigkeitsmangel wirkt sich schnell auf den gesamten Körper aus. Erste Anzeichen einer beginnenden Dehydratation sind oft Mundtrockenheit (trockene Schleimhäute), Durst (sofern das Gefühl noch wahrgenommen wird), Konzentrationsschwierigkeiten und Kopfschmerzen. Auch Schwindel, Schwächegefühl und Müdigkeit treten bei Wassermangel häufig auf. Bereits ein geringer Wasserverlust kann zu einer spürbaren Leistungsminderung führen – man fühlt sich schlapp und weniger belastbar.

Bei stärkerer Dehydrierung werden die Auswirkungen immer gravierender: Das Blutvolumen nimmt ab, wodurch der Blutdruck fällt und zugleich der Puls steigt (Herzrasen). Betroffene leiden unter ausgeprägter Verwirrtheit oder Desorientierung, da auch das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet wird – in schwereren Fällen kann es bis zur Bewusstlosigkeit kommen. Eine erhebliche Erhöhung der Körperkerntemperatur ist möglich, weil die Kühlung durch Schwitzen nicht mehr richtig funktioniert.

Außerdem trocknen die Nährstoffspeicher des Körpers aus: Die Zellen können nicht mehr optimal arbeiten. Die Nieren verlieren die Fähigkeit, den Urin zu konzentrieren, sodass sie vermehrt Wasser ausscheiden – ein Teufelskreis, der die Dehydrierung weiter verschlimmert. Ohne Gegenmaßnahmen droht im schlimmsten Fall eine lebensgefährliche Exsikkose (vollständige Austrocknung), die mit Kreislaufversagen und Nierenversagen einhergehen kann.

Doch schon bevor es so weit kommt, hat Flüssigkeitsmangel negative Folgen: Trockene Schleimhäute begünstigen die Entstehung von Infektionen (z.B. in den Harnwegen oder Atemwegen). Verstopfung tritt häufiger auf, weil dem Stuhl im Darm das Wasser fehlt. Auch das Herz-Kreislauf-System gerät unter Stress, da das Herz gegen dickflüssigeres Blut arbeiten muss. Vor allem bei älteren Menschen können diese Folgen schwerwiegend sein: Schwindel und Schwäche erhöhen das Sturzrisiko, Verwirrtheit wird leicht mit Demenz verwechselt oder führt zu falscher Medikation. Insgesamt verschlechtert sich die Gesundheit erheblich, wenn über längere Zeit zu wenig getrunken wird.

Empfohlene Trinkmenge im Alter

Die Empfehlungen für die Trinkmenge gelten auch im hohen Alter: Gesunde Erwachsene sollten etwa 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag über Getränke aufnehmen. Die restliche Flüssigkeitsversorgung erfolgt über die Nahrung. Viele Lebensmittel, z.B. Obst, Gemüse, Suppen, enthalten Wasser). Insgesamt kommt man so auf rund 2 Liter Flüssigkeitsbedarf pro Tag. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät Personen über 65 Jahren zu etwa 1,3–1,5 Litern an Getränken täglich. Als Faustregel kann man sich merken: etwa 30 ml Wasser pro Kilogramm Körpergewichts pro Tag. Eine 70 kg schwere Person bräuchte demnach ca. 2,1 Liter Flüssigkeit insgesamt.

Im Sommer oder bei hohen Temperaturen ist es sinnvoll, etwas mehr zu trinken (gern 2 Liter und mehr am Tag), da der Körper durch Schwitzen zusätzlich Wasser verliert. Auch in der kalten Jahreszeit ist ausreichendes Trinken wichtig: Warme Heizungsluft trocknet die Atemwege und Schleimhäute aus, was ebenfalls den Flüssigkeitsbedarf erhöht – selbst wenn man es kaum bemerkt. In Situationen mit erhöhtem Flüssigkeitsverlust – etwa bei Fieber, Erbrechen oder Durchfall oder bei viel körperlicher Aktivität – muss die Trinkmenge entsprechend angepasst werden, um den Verlust auszugleichen.

Wichtig ist, das Trinken über den Tag zu verteilen, da der Körper Wasser nicht auf Vorrat speichern kann. Trinken Sie also regelmäßig, am besten zu jeder Mahlzeit und zwischendurch alle paar Stunden ein Glas Wasser oder Tee. Wer selten Durst hat, sollte sich bewusst an einen Trinkrhythmus halten, statt zu warten, bis das Durstgefühl einsetzt. Denn wenn Sie erst nach Durst trinken, liegt meist bereits ein Defizit vor.

Natürlich gibt es Ausnahmen: Bei bestimmten Erkrankungen kann eine andere Trinkmenge erforderlich sein. Menschen mit Herzschwäche oder Nierenerkrankungen müssen die Flüssigkeitszufuhr eventuell beschränken, um den Körper nicht zu überlasten. Solche Anpassungen sollten aber stets in Absprache mit dem Arzt erfolgen. Für die meisten Senioren ohne derartige Einschränkungen gilt jedoch: etwa 1,5 Liter am Tag zu trinken ist eine gute Empfehlung, um die Wasserbilanz stabil zu halten.

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Geeignete Getränke für Senioren

Nicht jedes Getränk ist gleichermaßen gut geeignet, um den Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Gut geeignet ist:

  • Wasser sollte an erster Stelle stehen – ob als Leitungswasser oder als stilles/prickelndes Mineralwasser bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Wer reines Wasser geschmacklich langweilig findet, kann es mit einem Spritzer Zitronensaft oder einem Blatt Minze aufpeppen.
  • Auch ungesüßte Kräuter- und Früchtetees sind gute Durstlöscher und bringen Abwechslung. Sehr empfehlenswert sind dünne Saftschorlen, also Fruchtsaft gemischt mit viel Wasser (Verhältnis etwa 1 Teil Saft zu 3 Teilen Wasser). Sie liefern einen milden Geschmack und gleichzeitig etwas Fruchtnährstoffe, ohne zu viel Zucker.
  • Auch eine warme Brühe oder verdünnte Gemüsesäfte können zur Flüssigkeitszufuhr beitragen – gerade wer ungern trinkt, nimmt vielleicht leichter eine Tasse Brühe zu sich.

Milch und Milchprodukte (Buttermilch, Kefir) liefern Flüssigkeit und Nährstoffe, zählen aber eher als Nahrungsmittel und nicht als primäre Durstlöscher, da sie relativ viele Kalorien enthalten.

Kaffee und schwarzer Tee gelten heute in Maßen ebenfalls als akzeptable Flüssigkeitsquelle. Früher galten sie als „Flüssigkeitsräuber“, aber inzwischen weiß man, dass 2–3 Tassen Kaffee oder Tee am Tag durchaus zur Wasserbilanz beitragen. Allerdings sollte man Kaffee nicht als einzigen Durstlöscher nutzen, da das enthaltene Koffein den Kreislauf anregt. Am besten trinkt man zu jeder Tasse Kaffee auch ein Glas Wasser. Alkoholische Getränke hingegen sind kritisch: Alkohol entzieht dem Körper Wasser und belastet den Organismus.

Ein gelegentliches Glas Bier oder Wein ist für viele Senioren Genuss – dagegen ist nichts einzuwenden, solange es bei kleinen Mengen bleibt. Das bedeutet maximal 1–2 Gläser pro Woche und nur nach ärztlicher Rücksprache bei bestehenden Krankheiten. Zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfs sind alkoholische Getränke jedoch ungeeignet und sollten nicht dafür eingeplant werden.

Limonaden und süße Softdrinks sind ebenfalls nur eingeschränkt empfehlenswert – sie liefern viel Zucker und können den Blutzucker sowie das Gewicht negativ beeinflussen, ohne den Durst gut zu löschen.

Praktische Tipps für den Alltag

  • Trinkroutine im Alltag: Gewöhnen Sie sich an feste Trinkzeiten. Zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen ein Glas Wasser, zu jeder Mahlzeit ein Getränk und zwischendurch regelmäßig kleine Mengen trinken. Stellen Sie sich am besten alle 2 Stunden den Wecker oder nutzen Sie eine Trink-App als Erinnerung. Wichtig ist, das Trinken über den Tag zu verteilen und nicht alles auf einmal zu trinken.
  • Getränke immer griffbereit: Platzieren Sie an mehreren Stellen in der Wohnung Karaffen oder Flaschen mit Ihrem Lieblingsgetränk (z.B. auf dem Wohnzimmertisch, am Bett, in der Küche). Wenn ein Getränk stets in Sichtweite ist, werden Sie häufiger daran erinnert und greifen automatisch öfter zum Glas. Nutzen Sie Trinkhilfen wie leichte, bruchsichere Flaschen oder Becher mit Skala, um Ihre tägliche Trinkmenge im Überblick zu behalten.
  • Abwechslung und attraktives Anbieten: Sorgen Sie für Vielfalt bei den Getränken. Wechseln Sie zwischen Wasser, Tee, verdünnten Säften etc., um den Geschmackssinn anzuregen. Trinken fällt leichter, wenn es schmeckt. Ein paar Scheiben Zitrone, Gurke oder etwas Minze können Wunder wirken. Nutzen Sie auch ansprechende Trinkgefäße: Eine farbige Tasse oder ein schönes Glas können motivieren. In Pflegeheimen hat sich z.B. bewährt, rote Becher einzusetzen, da diese Farbe vor allem bei Demenzkranken die Aufmerksamkeit aufs Trinken lenkt.
  • Unterstützung durch Hilfsmittel: Wenn das Trinken schwerfällt, gibt es praktische Hilfsmittel. Spezielle Trinkbecher mit Griffen oder Deckel (Schnabeltassen) erleichtern das Trinken für Menschen mit schwacher Handkraft oder Zittern, da sie sicher in der Hand liegen und ein Auslaufen verhindern. Es gibt auch Becher mit einer Aussparung für die Nase, sodass man trinken kann, ohne den Kopf in den Nacken zu legen – ideal bei Schluckstörungen oder eingeschränkter Beweglichkeit im Halsbereich. Für bettlägerige Personen eignen sich Trinkflaschen mit Schlauch, wie die Trinkhilfe „The Hydrant“: Dabei kann der Trinkende über einen flexiblen Schlauch selbstständig Flüssigkeit ansaugen, ohne sich aufzurichten. Solche Trinkhilfen sind z. B. im RCS Pro Shop erhältlich und können die Flüssigkeitsversorgung enorm erleichtern. Scheuen Sie sich nicht, diese zu nutzen – sie fördern die Selbstständigkeit und reduzieren das Risiko, aus Mangel an Flüssigkeit zu dehydrieren.
  • Betreuung einbeziehen: Pflegende Angehörige oder Pflegekräfte sollten das Trinkverhalten im Auge behalten. Gerade bei vergesslichen oder dementen Personen ist es wichtig, immer wieder aktiv Getränke anzubieten. Machen Sie gemeinsame Trinkrituale – zum Beispiel zusammen Kaffee trinken am Nachmittag oder stündlich gemeinsam anstoßen mit einem Glas Wasser. In Gesellschaft trinken viele Menschen automatisch mehr und es entsteht eine positive Routine. Falls nötig, führen Sie eine Strichliste oder einen Trinkplan, auf dem jedes Glas abgehakt wird. So bleiben die getrunkenen Mengen im Überblick und Sie können früh gegensteuern, falls die Trinkmenge zu gering bleibt.
  • Hindernisse abbauen: Nehmen Sie Ängste und Hindernisse ernst. Wer aus Furcht vor nächtlichem Harndrang weniger trinkt, kann beispielsweise tagsüber mehr Flüssigkeit zu sich nehmen und abends die Menge reduzieren. Moderne Inkontinenz-Hilfsmittel (Vorlagen, Höschen etc.) können Sicherheit geben, damit ein paar Gläser am Tag mehr nicht zur Angst vor einem Malheur führen. Sollte fehlender Appetit auf Getränke oder Angst vor dem Verschlucken ein Problem sein, probieren Sie Alternativen: z.B. wasserreiche Lebensmittel (Melone, Gurke, Joghurt) oder bei Schluckstörungen spezielle Andickungsmittel, um Getränke sämiger und leichter schluckbar zu machen. Sprechen Sie solche Maßnahmen in Absprache mit dem Arzt oder Pflegedienst ab, um die beste Lösung für die individuelle Situation zu finden.

Fazit

Ausreichend zu trinken ist ein essentieller Baustein für die Gesundheit im Alter. Auch wenn das Durstgefühl nachlässt, gibt es viele Möglichkeiten, um ältere Menschen an das Trinken zu erinnern und die Flüssigkeitsaufnahme zu fördern. Mit den richtigen Getränken, festen Gewohnheiten und gegebenenfalls Hilfsmitteln kann Dehydrierung im Alter wirksam vorgebeugt werden. Wichtig ist, im Alltag stets auf die Flüssigkeitszufuhr zu achten und bei Bedarf Unterstützung von Familie, Pflegekräften oder Hilfsmitteln anzunehmen. So bleiben Körper und Geist länger fit – denn Trinken hält den Kreislauf in Schwung, unterstützt alle Organe und trägt ganz wesentlich zum Wohlbefinden bei.

Ernährung bei Kau- und Schluckbeschwerden: Konsistenzen anpassen und Genuss erhalten

Essen und Trinken bedeuten Lebensqualität und Genuss. Doch für Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden kann jede Mahlzeit zur Qual werden. Kau- und Schluckstörungen, medizinisch spricht man von Dysphagie), treten besonders im Alter oder infolge bestimmter Erkrankungen auf. Betroffene haben Probleme, Nahrung und Flüssigkeit sicher zu sich zu nehmen – häufiges Verschlucken, Husten beim Schlucken oder Schmerzen im Hals können die Nahrungsaufnahme erheblich beeinträchtigen. Die Folgen sind gefährlich: Mangelernährung, Dehydration und Verlust von Freude am Essen drohen. Um dies zu vermeiden, ist eine angepasste Ernährung bei Kau und Schluckbeschwerden sehr wichtig.

In unserem Artikel erfahren Sie, welche Ursachen Kau- und Schluckstörungen haben, wie Sie durch Anpassung der Konsistenz von Speisen und Getränken die Ernährungssituation verbessern und Genuss sowie Lebensfreude erhalten können. Auch Tipps für pflegende Angehörige und Pflegekräfte werden gegeben, damit Essen und Trinken trotz Einschränkungen möglich bleibt.

Mögliche Ursachen von Kau- und Schluckstörungen

Kau- und Schluckbeschwerden können durch zahlreiche Faktoren ausgelöst werden. Häufig liegen neurologische Erkrankungen zugrunde: Ein Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose oder Demenz können die am Schluckvorgang beteiligten Nerven und Muskeln beeinträchtigen. Dadurch wird der automatische Schluckreflex geschwächt oder die Koordination gestört.

Auch körperliche Veränderungen sind möglich – etwa Verengungen oder Entzündungen der Speiseröhre, Tumorerkrankungen im Kopf- und Halsbereich oder Folgen von Operationen an diesen Strukturen. In solchen Fällen kann die Nahrung nicht richtig vom Mundraum in den Magen transportiert werden.

Ebenso können Beeinträchtigungen im Mundraum zu Kaustörungen führen. Schlechte oder fehlende Zähne, nicht passend sitzende Zahnprothesen oder schmerzhaftes Zahnfleisch (etwa durch Entzündungen) machen gründliches Kauen schwierig. Infektionen wie Mundsoor (Pilzbefall) oder eine allgemeine Mundtrockenheit, zum Beispiel als Nebenwirkung von Medikamenten oder bei zu wenig Speichel, können Schluckbeschwerden verstärken, da ein gleitfähiger Speisebrei fehlt.

Nicht zuletzt spielt das Alter eine Rolle: Bei Senioren lässt das Durst- und Hungerempfinden oft nach, und die Muskulatur im Kau- und Schluckapparat wird schwächer. Kurzfristige Schluckbeschwerden treten zudem bei banalen Ursachen wie Halsentzündungen (z.B. Mandelentzündung) auf – diese klingen meist nach Behandlung wieder ab. Schluckstörungen im medizinischen Sinne (Dysphagie) hingegen sind anhaltend und ernstzunehmend, da sie die sichere Nahrungsaufnahme verhindern können.

Risiken und Folgen für Betroffene

Ohne passende Gegenmaßnahmen können Kau- und Schluckstörungen erhebliche Folgen haben. Durch das häufige Verschlucken besteht ein hohes Risiko der Aspiration, also dass Nahrung oder Flüssigkeit in die Atemwege gelangt. Dies kann zu Erstickungsanfällen führen und – selbst wenn es unbemerkt bleibt – in der Lunge eine Entzündung (Aspirationspneumonie) auslösen. Gleichzeitig essen und trinken viele Betroffene aus Angst vor dem Verschlucken immer weniger.

Die Aufnahme von Energie und Nährstoffe reicht dann nicht mehr aus, was in Mangelernährung und Gewichtsabnahme münden kann. Auch eine ungenügende Flüssigkeitszufuhr ist gefährlich: Gerade ältere Menschen haben ein erhöhtes Risiko für Dehydration, wenn sie nicht genug trinken. Mangelernährte oder dehydrierte Patienten sind schwächer, weniger belastbar und erholen sich schlechter von Krankheiten.

Neben diesen körperlichen Folgen leidet auch die Lebensqualität erheblich. Essen wird vom Genuss zum Stressfaktor – im schlimmsten Fall zur Qual bei jedem Bissen. Viele Betroffene empfinden Scham oder Frustration, wenn Essen und Trinken nicht mehr problemlos möglich sind. Sie ziehen sich mitunter von gemeinsamen Mahlzeiten zurück, was soziale Isolation fördern kann. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig gegenzusteuern. Mit der richtigen Anpassung der Kost und einfühlsamer Unterstützung kann man die Ernährungssituation deutlich verbessern und schweren Folgen vorbeugen.

Konsistenzen anpassen: geeignete Speisen und dickflüssige Getränke

Eine konsistenzangepasste Kost ist der Schlüssel, um Kau und Schluckstörungen zu kompensieren und den Betroffenen sicheres Essen zu ermöglichen. Dabei wird die Lebensmittelauswahl und Zubereitung den Fähigkeiten der Person angepasst. Grundsätzlich gilt: Je ausgeprägter die Störung, desto weicher und homogener muss die Nahrung sein. Wichtig ist jedoch, dass trotz Anpassungen der Genuss nicht zu kurz kommt – die Freude am Essen soll erhalten bleiben.

Weiche bis pürierte Speisen: Bei leichten Kaubeschwerden kann oft schon eine Anpassung auf weiche Kost genügen. Wählen Sie Speisen, die sich leicht kauen und schlucken lassen.

Zum Beispiel: Weich gekochtes Gemüse statt roher Salate, gut gegarte, zarte Fleischstücke (Gedünstetes Huhn, Fisch) oder Gehacktes statt Steak, sowie Nahrung mit viel Sauce oder Flüssigkeit, damit alles schön gleitfähig ist.

Pürierte Kost bei stärkeren Einschränkungen

Harte, trockene oder krümelige Lebensmittel wie Nüsse, Knäckebrot oder Obst mit Schale sollten gemieden werden. Bei stärkeren Einschränkungen empfiehlt sich pürierte Kost. Dabei werden alle Komponenten der Mahlzeit homogen zerkleinert, bis keine Stückchen mehr verbleiben.

Beispiele: Gemüsesuppe oder Eintopf im Mixer fein pürieren, Fleisch oder Fisch mit etwas Soße zu einem Fleischpüree verarbeiten, Obst als Mus oder Creme anbieten. Sogar Brot kann – mit Milch oder Brühe aufgeweicht und gut püriert – in breiiger Form gereicht werden. W

Auch pürierte Speisen kann man appetitlich anrichten

Anstatt alles zu einem unansehnlichen Einheitsbrei zu vermischen, servieren Sie die Komponenten getrennt auf dem Teller – etwa Gemüsepüree, Kartoffelpüree und Fleischpüree nebeneinander in kleinen Häufchen oder mit Spritzbeutel in Form gebracht. So bleiben Aussehen, Geruch und Geschmack der einzelnen Zutaten erkennbar, was den Genuss erhöht.

Leichteres Trinken dank dickflüssiger Getränke

Ein großes Problem bei Schluckstörungen sind Flüssigkeiten, da dünne Flüssigkeit sehr schnell in den Rachen läuft und leicht verschluckt werden kann. Hier hilft es, Getränke gezielt anzudicken. Mit speziellen Andickungsmitteln lässt sich die Konsistenz von Getränken und sogar Suppen so verändern, dass sie langsamer fließen. Je nach Bedarf kann man unterschiedliche Konsistenzen erzeugen: von leicht dickflüssig bis hin zu creme- oder puddingartig, die mit dem Löffel gegessen wird.

Welche Konsistenz nötig ist, sollte idealerweise mit einem Therapeuten abgestimmt werden. Wichtig ist, dass angedickte Getränke zähflüssiger, aber dennoch appetitlich sind. Spezielle Andickungspulver sind geschmacksneutral, klumpen nicht und dicken nicht nach. Alternativ gibt es bereits angedickte Getränke fertig zu kaufen.

Beachten Sie: Trinken mit dem Strohhalm ist nur bei leichten Schluckstörungen ratsam. In schweren Fällen sollte besser ein Löffel oder ein spezieller Becher verwendet werden.

Trinkbecher

Hilfsmittel und Spezialnahrung

Neben der Konsistenzanpassung helfen verschiedene Hilfsmittel, die Nahrungsaufnahme zu erleichtern. Trinkhilfen wie Schnabelbecher oder Becher mit Nasenaussparung ermöglichen sicheres und selbständiges Trinken. Für Personen mit schwachen Händen gibt es rutschfeste Becher oder Modelle mit zwei Henkeln. Solche Trinkhilfen können gerade für Senioren mit motorischen Beeinträchtigungen eine große Hilfe sein. Darüber hinaus steht eine Reihe von Spezialnahrung bei Dysphagie zur Verfügung. Trinknahrung (hochkalorische Flüssignahrung) kann zum Beispiel fehlende Kalorien und Nährstoffe ersetzen, wenn normales Essen schwerfällt.

Diese Produkte – oft in Form milchshakeähnlicher Getränke – liefern Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe und werden entweder ergänzend oder als Mahlzeitenersatz eingesetzt. Auch Aufbaunahrung in Creme- oder Puddingform ist erhältlich, ebenso wie Pulver zum Anreichern von Pürees mit extra Energie oder Eiweiß.

Tipps für pflegende Angehörige und Pflegekräfte

  • Ruhe und Zeit: Sorgen Sie für eine ruhige, angenehme Essumgebung.
  • Kleine Bissen, langsames Schlucken: Kleine Portionen anbieten, Pausen einlegen.
  • Nach dem Essen: Den Mundraum kontrollieren und auf Mundpflege achten.
  • Flüssigkeitsversorgung und Mundtrockenheit: Ausreichend trinken, Mund befeuchten.
  • Lieblingsspeisen anpassen: Lieblingsgerichte püriert oder weich servieren.
  • Würze und Temperatur: Abwechslungsreich und lauwarm servieren.
  • Ansprechende Präsentation: Speisen appetitlich anrichten.
  • Einbeziehen und motivieren: Betroffene in Auswahl und Zubereitung einbeziehen.
  • Professionelle Hilfe nutzen: Therapeuten oder Pflegekräfte unterstützen lassen.

Auch wenn Kau- und Schluckstörungen die Nahrungsaufnahme erschweren – mit den richtigen Maßnahmen muss Essen und Trinken nicht zur Qual werden. Durch angepasste Konsistenzen, Hilfsmittel und kreative Lösungen kann die Ernährung sicher und genussvoll gestaltet werden. So bleibt die Freude am Essen erhalten und die Lebensqualität trotz Einschränkungen hoch.